Der deutsche Sozialismus als antikapitalistische Weltanschauung – Teil 2

Nach dem ersten Weltkrieg kam es dann mehr und mehr auch zu einer politischen Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Geisteshaltung. Der Nationalrevolutionär Gregor Strasser brachte es in seinem Aufsatz „Geist der Wirtschaft“ von 1930 aus den Punkt, indem er ausführte „Und dennoch genügt es nicht, ein System zu ändern, das eine Wirtschaftssystem durch ein anderes zu ersetzen – sondern notwendig ist vor allem die Änderung des Geistes! Dieser Geist, der zu überwinden ist, ist der Geist des Materialismus! Wir müssen ein ganz neues wirtschaftliches Denken gewinnen, ein Denken, das sich frei macht von den heutigen Vorstellungen, die im Gelde wurzeln, im Besitz, in Rentabilität und einem falschen Erfolg! Es ist ein Kennzeichen des marxistischen, des falschen Sozialismus, dass seine Gedankengänge ganz genau die des Kapitalismus sind, weswegen ich ihn seit Jahren schon immer als geistige Einheit mit ihm nenne, nur mit umgekehrten Vorzeichen! Der nationale Sozialismus, der aus dem organischen Leben selber stammt, wirft die verlogenen Worte einer weltfremden Theorie über den Haufen, ebenso wie die toten Begriffe einer untergehenden Zivilisation! Wir müssen lernen, dass es in der Wirtschaft eines Volkes nicht nach Rentabilität geht, nicht nach Gewinn, sondern einzig und allein nach der Deckung des Bedarfs für die Angehörigen dieses Volkes! Dies und nichts anderes ist auch die Aufgabe einer „Volkswirtschaft“! Wir müssen lernen, dass die Begriffe „Weltwirtschaft“ – „Handelsbilanz“ – „Exportausdehnung“ Begriffe einer untergehenden Epoche sind, die sich selbst längst ad absurdum führten, da sie gegen das ewige Gesetz des organischen Lebens verstoßen und aus Spekulation geboren sind, nicht aus dem Boden! Wir müssen lernen, dass es Betrug ist, wenn die spekulative Produktion erst mit allen Mitteln des Anreizes und der Reklame einen künstlichen Bedarf schafft, Betrug an der Arbeitskraft des Menschen und an seinem Leben! Denn gereizte Begehrlichkeit steigert nur immer die Ansprüche, gesteigerte Ansprüche verdoppeln die menschliche Sklaverei, die eine Sklaverei des Geistes ist, der an Stelle der Seele die Herrschaft angetreten hat über das Leben! Was wissen die heutigen Menschen denn noch, was Leben ist?! Sie rennen und hetzen sich ab, quälen sich, mühen sich, fronen wie Galeerensklaven – um ein Leben zu führen, dessen Inhaltslosigkeit grauenerregend ist! Es geht nicht darum, dass jenes neue Wirtschaftssystem, das wir wollen, mehr produziert! Es geht überhaupt nicht um Mehrproduktion, wie gerade der Marxismus fordert, sondern es geht um die Seelen der Menschen! Und die Produktion, die Wirtschaft hat nur eine Aufgabe: den Wirtschaftsbedarf dieser Menschen eines Volkes zu decken, unter Abweisung von Gütern, die nur künstlicher Reizerregung ihre Nachfrage verdanken, unter Abweisung auch der Peitschen „Rentabilität und Gewinn“!

Diese prophetischen Worte manifestieren sich in der Tatsache, dass in der heutigen Zeit der Kapitalismus ein Stadium erreicht hat, in dem der verantwortungsbewusste Unternehmer komplett durch den Manager ersetzt wurde, der als Handlanger und Helfershelfer des Kapitals die alleinige Aufgabe besitzt, die Ausbeutung zu perfektionieren und dem Leihkapital die höchsten Gewinnmargen zuteil werden zu lassen. Dabei hat der Zins- und Zinseszinsmechanismus die unbestrittene Rolle inne, diese Automatik der leistungslosen Geldvermehrung am Leben zu erhalten, indem er sich als notwendiges Mittel zum Geldumlaufantrieb darstellt, obwohl es andere Mittel gäbe, einen Anreiz zu schaffen, Kapital vor der Hortung zu schonen.

Damit wäre ein erster Schritt getan, sich über eine postkapitalistische und raumgebundene Wirtschaftsordnung Gedanken zu machen, in der eben jener schädliche Geldvermehrungs- und Wachstumseffekt ausgeschalten bleibt. Die Grundvoraussetzung für diesen ersten Schritt ist dabei, das Primat des Staates über die Wirtschaft wiederherzustellen, um die schrankenlose Ausdehnung wirtschaftlicher Macht einzuhegen. Das „freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte“ muss ein Ende haben. Dem Kapital muss wieder seine eigentliche, rein dienende Funktion als Hilfsmittel zum Austausch von Gütern, Waren und Dienstleistungen zukommen und seine Eigenschaft als Beherrschungsinstrument des wirtschaftlichen und politischen Lebens vollends verlieren.
Um die Sicherheit der nationalen, raumgebundenen Wirtschaftseinheit zu gewährleisten, ist die liberalistische Freihandelsideologie Schritt für Schritt zurückzudrängen. Schutzzölle, staatliche Regulierungen und ein wirtschaftlicher Protektionismus verhelfen der Volkswirtschaft erst zur Unabhängigkeit und zum Schutz vor ausländischer Konkurrenz und feindlicher Übernahmen gieriger, transnationaler Investoren. Vor allem lebenswichtige Wirtschaftszweige sind, soweit es möglich ist, in die Autarkie zu überführen. Durch die Eindämmung des transnationalen und unregulierten Waren- und Güterverkehrs wird zudem das Verkehrsaufkommen zwischen den einzelnen nationalen Wirtschaftsorganismen minimiert und damit die Umwelt durch Schonung natürlicher Ressourcen geschützt. Es geht jedoch dabei nicht darum, sich gegenüber dem Ausland abzuschotten, sondern den globalen Verdrängungs- und Vernichtungswettbewerb zurückzubauen und an dessen Stelle eine europäische Großraumwirtschaft zu etablieren, die als wirtschaftlicher Machtfaktor anderen Wirtschaftsgroßräumen entgegen halten kann.

Eine gemischte Wirtschaftsordnung aus Klein-, Mittel- und Großbetrieben, in der markt- und planwirtschaftliche Elemente vereinigt werden und den Wettbewerb in einen gemeinwohlorientierten Ordnungsrahmen einbinden ist zu errichten, so wie es in Punkt 2 des III.Weg-Parteiprogramms manifestiert ist. Jede Betriebsgröße hat ihre eigene spezifische Funktion für die Volkswirtschaft. Kleinbetriebe stellen die ortsnahe Versorgung in kleineren räumlichen Umkreisen sicher, der Mittelstand ist das Rückgrat der Volkswirtschaft für die tägliche Bedarfsdeckung und Großbetriebe werden benötigt, um umfangreiche Forschungseinrichtungen und kapital- und produktionsaufwändige Prozesse umzusetzen.
Ein Wettbewerb, der die privatwirtschaftliche Initiative des Unternehmers unberührt lässt, wird insoweit bejaht, wie dieser nicht zum Schaden des Gemeinwohls oder zum hemmungslosen wirtschaftlichen Verdrängungskampf führt. Der deutsche und sozialistische Staat will das Konkurrenzprinzip nicht beseitigen, sondern als Dirigent des wirtschaftlichen Schaffens zur Höher- und Weiterentwicklung des technischen und industriellen Fortschritts allein zum Nutzen des Volksganzen und seiner Unabhängigkeit anspornen. Es geht nicht darum, wer das Eigentum an Produktionsmitteln besitzt, sondern wer darüber verfügen darf. Ist er der anonyme und renditegierige private Investor aus Übersee oder ist es ein dem völkischen Gemeinwohl verpflichtetes, verantwortungsbewusstes Staatswesen? Lediglich Schlüsselindustrien, Betriebe des allgemeinen Daseinsfürsorge, Banken bzw. finanzwirtschaftliche Unternehmen und Versicherungsanstalten sind in staatliche Hand zu überführen. Es gilt das Prinzip: Verstaatlicht wird nicht, was man verstaatlichen kann, sondern was man verstaatlichen muss! Die Grenze der Sozialisierung ist dann erreicht, wenn eine Verbürokratisierung droht oder der Verlust an unternehmerischer Initiative zur wirtschaftlichen Stagnation führt. Die zahlreichen, gescheiterten marxistischen Systeme der Vergangenheit legen genügend Zeugnis darüber ab.

Auch ist der Klassenkampfgedanke, der als Relikt marxistischer Agitation heute in Gewerkschaften und linksradikalen Strukturen über geblieben ist, auszulöschen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer dürfen nicht länger als Gegenspieler betrachtet werden, sondern sind zu einer Betriebsgemeinschaft zusammenzuführen, die durch das Treue- und Fürsorgeprinzip miteinander verbunden sind.

Als Fundament solch einer neuen, raumgebundenen Volkswirtschaft ist zwingend eine Revolutionierung der Geldordnung erforderlich. Das kapitalistische Wirtschaftssystem war bisher immer durch manipulierbare Währungen und einem privaten, vom Staate losgelösten Geldschöpfungrecht anfällig für Konkjunkturschwankungen und Krisen. In einer nachkapitalistischen Ordnung wird der Grundsatz gelten, dass Geld keine Ware ist, die mit Zins- und Zinseszins verkauft werden darf und dass die Schöpfung desselben nur vom Volke und seiner Vertreter auszugehen hat, d.h. dass geldschöpfende Zentralbanken in die Hand des Staates zu überführen sind. Zu diesem Zwecke wird die Geldmenge an das Produktions- und Dienstleistungsvolumen der Volkswirtschaft im Zusammenhang mit seiner jährlichen Umlaufgeschwindigkeit angepasst. Das Geld ist nur als Blutäquivalent im Kreislauf von Wirtschaft und Staat zu betrachten. Es ist zinseszinsfrei und muss summarisch im Arbeitsprozess verbleiben, d.h. seine Hortung soll weitestgehend verhindert werden. Die Frage, ob eine Wirtschaft gesund arbeitet oder nicht, besteht lediglich darin, wie weit die Geldmenge im richtigen Verhältnis zum Güter- und Dienstleistungsvolumen steht. Nur mit einer richtig funktionierenden Umlaufgeschwindigkeit im Zusammenhang mit der geschöpften Geldmenge kann eine störungsfreie Wirtschaftsentwicklung gewährleistet werden, die nicht wie im Kapitalismus anhängig ist vom von der privaten Notenbank herauszugebenden Zinssatz, der zur künstlichen Verteuerung des Geldes führt. Herbert Schweiger schreibt in seinem Manifest „Deutschlands neue Idee“ dazu Folgendes: „Nach den Grundsätzen der neuen Geldpolitik gibt es kein Geld ohne Deckung. Die Höhe der Geldmenge wird auf jener Ebene gehalten, welches durch die Leistung der gesamten Volkswirtschaft seine Absicherung bekommt. So bleibt der Kaufwert des angesparten Geldes konstant. Das bedeutet sachlich für den Sparer mehr Sicherheit, als wenn er für sein auf die Bank gelegtes Geld Zinsen bekommt, die durch den inflationären Entwertungseffekt nicht nur aufgehoben werden, sondern wobei auch noch das angesparte Geld in einigen Jahren weniger Kaufwert hat als zum Zeitpunkt der Einlage. Die Spargesinnung darf keine spekulative, sondern muss eine volkswirtschaftlich befruchtende sein, sodass letzten Endes jeder Einzelneim Rahmen der Gemeinschaft die relativ beste Existenzgrundlage hat.

Einen möglichen Weg, um den Hortungsanreiz des Geldes zu umgehen, wäre dabei eine „Umlaufsicherungsgebühr“, wie sie unter anderem vom weltbekannten Ökonomen John Maynard Keynes (1883-1946) verfochten wurde. Mit dieser wäre, statt der Hortung, ein Anreiz geschaffen, Geld im Umlauf zu halten, um dessen Wertverfall zu verhindern. Über die praktische Ausführung dieses „Freigeldes“ hat der Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz in seiner Broschüre „Die fatale Rolle des Zinses im gegenwärtigen Wirtschaftssystem“ folgende Skizzierung gewagt: „Alle Banknoten werden in jeweils 3 Serien in Verkehr gegeben und mit entsprechend gut sichtbaren Kennbuchstaben versehen. Einige Male im Jahr werden einzelne Banknotensorten und einzelne ihrer Serien ermittelt und zum Umtausch ausgerufen, wobei eine besondere Gebühr in Höhe von z.B. 5% des Nennwertes des betroffenen Scheines einbehalten wird. Um dieser möglicherweise anfallenden Geldgebühr auszuweichen oder sie auf ein unumgängliches Minimum zu begrenzen, wird jedermann nur soviel Bargeld so lange im Besitz halten, wie das für ihn aus praktischen Gründen erforderlich ist. Die nicht benötigten Einkommensanteile oder sonstwie erhaltene Geldbeträge wird man als Ersparnis auf die Banken legen, die ihrerseits auf dem Kreditwege dieses Geld weiterleiten. Damit bliebe alles Geld kontinuierlich im Umlauf und könnte so mengenmäßig exakt an den Umfang des Sozialproduktes, d.h. an die Erfordernisse des Marktes, angepasst werden. Ein gleichmäßiger Konjunkturverlauf und die Stabilität der Währung wären damit gesichert.“ Selbstverständlich bliebe der Sparzins in einem gewissen Umfang in Form einer Sparprämie zum Vermögensaufbau von Arbeitnehmern erhalten, ebenso wie Banken weiterhin Kreditgebühren verlangen würden, um Risiken abzusichern und die Verwaltung zu finanzieren.

Egal mit welchen pragmatischen Mitteln am Ende der Kapitalismus überwunden wird. Festzuhalten bleibt zum Schluss, dass sowohl der Zinseszinsmechanismus als auch die geistigen Wurzeln in Form der materialistisch-liberalistischen Geisteshaltung, wie sie bereits schon von vielen deutschen Gelehrten und politischen Revolutionären gegeißelt wurde, überwunden werden müssen. Dabei ist es wichtig, nicht den verlockenden und von Sozialneid getränkten Parolen des Marxismus zu verfallen, der lediglich in einer Umverteilung materialistischer Besitzverhältnisse den Lösungsansatz sieht, sondern die Rolle und Aufgabe des Geldes neu zu bestimmen und die Sozialisierung durch einen Erziehungsauftrag am Menschen selbst vorzunehmen, um am Ende ein Bewusstsein zu schaffen, dass nicht etwa das Spekulieren und das Feilschen, sondern allein die Arbeit Werte schafft und dass aus der Arbeit des Einzelnen nicht nur der Einzelne selbst, sondern die gesamte Volksgemeinschaft einen Nutzen zu ziehen hat.