Der deutsche Sozialismus als antikapitalistische Weltanschauung – Teil 1

Fragt man nach den Zielen unserer Bewegung, so wird man recht bald die Antwort zu hören bekommen, dass die Beseitigung des kapitalistischen Wirtschaftssystems und die Schaffung eines deutschen Sozialismus eines der wichtigsten Ziele unseres Ringens sind. Leider schreibt sich die „andere Feldpostnummer“ den antikapitalistischen Kampf ebenfalls auf ihre Fahnen, weshalb es an dieser Stelle wichtig ist, den Unterschied zwischen unserem Kapitalismusverständnis und der linken, marxistischen Kapitalismusdefinition zu klären und die Wurzeln des Kapitalismus zu untersuchen, bevor wir uns einem antikapitalistischen Gegenmodell auf sozialistischer und nationaler Basis widmen.

Unter der marxistischen Wirtschaftstheorie, die fatalerweise von einem Großteil der politischen Öffentlichkeit mit „Sozialismus“ gleichgesetzt wird, bildet der Kapitalismus nichts weiter als das Privateigentum an Produktionsmitteln und das Vorhandensein eines Marktes, über den der Austausch von Waren, Gütern und Dienstleistungen abgewickelt wird. Dass diese Annahme jedoch grundfalsch ist und die Tatsache verkennt, dass das Hauptmerkmal des Kapitalismus das Ziel der leistungslosen Vermehrung von Kapital ist, das den Unternehmern seitens der Kapitalgeber lediglich zur Verfügung gestellt wird, hat der Marxismus in seiner falschen Kapitalismuskritik stets ausgeblendet. Viel lieber verlagert der Marxismus seine Kritik auf die schöpferischen Leitungselemente der Wirtschaft, die für das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volksgemeinschaft unabdingbar sind, während undurchsichtige Finanzkonzerne und Großbanken als die anonymen Kapitalerzeuger im Dunkeln bleiben. Die Enteignung findet letzten Endes durch diese Finanzkapitalisten statt, die die Summe aller volkswirtschaftlichen Errungenschaften durch den Zins- und Zinseszinsmechanismus schröpfen und Unternehmensführung als auch Belegschaft gleichermaßen enteignen. Somit kommt nur eine Minderheit an Kapitalseignern letztendlich in den Genuss steigender leistungsloser Einkünfte, während die produktive Masse deren verzinste Forderungen bedienen muss. Die marxistische Mehrwerttheorie wird durch diesen Umstand ad absurdum geführt, denn der Unternehmergewinn wird vom Unternehmer mitnichten komplett einbehalten, sondern zu einem großen Teil dafür gebraucht, um durch die Zins- und Zinseszinsverpflichtungen die Kapitalgeber zu bedienen, die als die wirklichen Ausbeuter danach streben, für sich möglichst hohe leistungslose Gewinne einzustreichen. Somit verkennt der Marxismus den Zins- und Zineseszins als entscheidende Komponente am Kapitalismus, die erst zur Aufspaltung der Gesellschaften in Armen und Reichen, zu Ausbeutung und gigantomanischen Wachstumszwang führt. Letzteres wird bedingt durch das exponentielle Anwachsen der Kapitalmenge, die folgerichtig zum proportional verlaufenden Wachstum der Wirtschaft zwingt und damit zum Motor des Konsumzwanges und der materialistischen Wegwerfgesellschaft auf Kosten von Mensch und Umwelt wird. Das Wachstum der Geldmenge kommt dabei nicht etwa allen zu gute. Lediglich Großinvestoren profitieren von der leistungslosen prozentualen Vermehrung ihres Geldes, während der kleine Sparer über Inflation und Steuerlasten wieder enteignet wird oder im Falle einer Bankenrettung mit seinen Einlagen haften muss. Der Zins ist somit das sozioökonomische Merkmal des Kapitalismus schlechthin. Die werteschaffende Arbeit verliert im Kapitalismus in dem Maße an Macht und Ansehen, wie leistungslose, spekulative Einkünfte an Bedeutung gewinnen. So wie der Zins- und Zineseszins zu einem Ungleichgewicht in der Verteilung des Geldes führt, so führt auch der unverhältnismäßige Wettbewerb auf dem kapitalistischen Freihandelsspielfeld zu einem Wachsen von transnationalen Großkonzernen bzw. Trusts, die zusätzlich nach immer größeren Gewinnmargen durch Einsparungen an Lohnkosten und Umweltschutzstandards streben und kleinere, verantwortungsbewusste nationale Unternehmen nach und nach verdrängen oder gar schlucken. Der Kapitalismus wird damit, entgegen der Analyse durch den Marxismus, zu einem Synonym der Herrschaft des Leihkapitals und der Hochfinanz und ist nicht etwa mit einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsform gleichzusetzen, an der es im Grunde genommen nichts auszusetzen gibt.

Der Kapitalismus pervertiert die eigentliche Funktion des Geldes als Tauschmittel, indem Geld zur käuflichen Ware wird. Das Geld im Kapitalismus ist kein Anteilschein an der volkswirtschaftlichen Leistung, sondern ein Schuldschein der Masse gegenüber den Kapitalbesitzern. Die mühelosen Einkommen der Kapitaleigner müssen stets von der produktiven Wirtschaft erarbeitet werden. Auch Kapitalbeteiligungen aus Fonds und Aktien führen zur leitungslosen Vermögensvermehrung einer privilegierten Schicht. Weiterhin ist es im kapitalistischen System möglich, durch die Vermehrung des Geldmenge den Wert des Geldes zu senken und die Masse somit durch die Hintertür zu enteignen. Die fehlerhafte Geldschöpfung im kapitalistischen System, die auf das Geldschöpfungsrecht privater Notenbanken zurückzuführen ist, führt durch zinsbelastete Kredite zur künstlichen Verteuerung des Geldes, das im Stadium der Entstehung bereits schuldbelastet durch die Notenbanken über die Geschäftsbanken in den Wirtschaftskreislauf eingebracht wird. Über die Höhe des Leitzinses versucht die Notenbank die Geldmenge zu steuern, was jedoch oftmals misslingt. Durch die Konvertierbarkeit der Währungen und die Kapitalsverkehrsfreiheit an zunehmend unregulierten Finanzmärkten geht zudem der Volkswirtschaft lebenswichtiges Geld verloren, was mit dem manipulierbaren Dollar als internationaler Leit- und Reservewährung vor allem der Hochfinanz an der Ostküste der USA in die Hände spielt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt zum Verständnis des Kapitalismus ist die Untersuchung seiner geistigen Wurzeln. Hierbei gab es eine Reihe von deutschen Soziologen und Ökonomen, die einen wichtigen Beitrag zur Aufschlüsselung seiner Ursachen geleistet haben. Der renommierte deutsche Volkswirt Prof. Werner Sombart erkannte den Kapitalismus als Form einer Geisteshaltung, die in der jüdischen Religion und ihrer Rechtfertigungslehre zur Verleihung von Geld mit Zins- und Zinseszins an Fremde wurzelt. In seinem Buch „Die Juden und das Wirtschaftsleben“ fällte er folgendes Urteil: „Alle die der Entfaltung des kapitalistischen Geistes fördersamen Bestandteile der Ethik haben also im Judenvolke Tausend Jahre länger wirken können und haben im Verlaufe der langen Geschichte einen Ausleseprozess befördert, der die Juden längst vorbereitet hatte, dem Kapitalismus zu dienen, als die christliche Religion eben erst ihr Erziehungswerk begann. Soweit also die Beschäftigung mit der Geldleihe bedeutungsvoll für die Entfaltung des kapitalistischen Geistes wurde, hat das jüdische Fremdenrecht dazu beigetragen.

Max Weber, der ein Zeitgenosse Sombarts war und ebenso zu den wichtigen antikapitalistischen Theoretikern aus der Zeit des Wilhelminischen Reiches zählt, verortete die Grundlage des kapitalistischen Geistes, wie sich in seinem bekannten Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ nachlesen lässt, hingegen im Calvinismus, der Reichtum und Wohlstand als Zeichen göttlicher Gunst gedeutet hat.

Beiden Gelehrten ist also gemein, dass sie die Geisteshaltung des Kapitalismus als ein Ergebnis der nahöstlichen Offenbarungsreligionen gedeutet haben, die als dem Europäer fremdartige religiöse Lehren auf unseren Kontinent nach und nach eingesickert sind. Tatsächlich war dem Germanen bis zum Zeitpunkt, als er sich dem seinen Wesen nach artfremden römischen Recht unterwerfen musste, der Zins- und Zineseszins unbekannt. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus schrieb in seiner „Germania“ bereits: „Geld auf Zinsen ausleihen und die Zinsen für das geliehene Geld zum Kapital zu schlagen, ist den Germanen unbekannt und das schützt sie besser davor, als wenn Verbote beständen.

Die Geld- und Zinswirtschaft begann schließlich im späten Mittelalter nach der Entdeckung der „neuen Welt“ eine immer größere Rolle zu spielen. Der Groß- und Überseehandel brachte große Gewinne ein, an denen das Geldkapital über den Zins- und Zinseszins Teilhabe verlangte und sich somit ein großes Betätigungsfeld erschloß. Produktivität und Rendite lösten auf Dauer die bisherige gemeinwohlorientierte Arbeitsethtik der Bedarfsdeckung ab. Der große deutsche Reformator Martin Luther urteilte über den Zins wie folgt: „Das größte Unglück der deutschen Nation ist der Zins, fürwahr muss der Zins eine Figur und Anzeichen sein, dass die Welt dem Teufel verkauft ist, dass zugleich uns zeitlich und geistig Gut gebrechen.